Qype – sowas von 2.0

Qype[1] (sprich: »Kwaip«) »… ist der ideale Ort, um die besten Adressen, Dienstleister und Treffpunkte einer Stadt zu finden, zu empfehlen und andere Menschen zu treffen.«
Aha. Also eine lokale Suchmaschine mit Kennenlern-Feature, deren Mechanismus Mundpropaganda ist. Dezentrales Empfehlungsmarketing[2] könnte man es vielleicht nennen, wenn man denn möchte.
Der Betreiber ist eine GmbH gleichen Namens und setzt in allen Offensichtlichkeiten auf den auch in Deutschland angefahrenen Web2.0-Zug.

Web2.0-Klischees, die Qype erfüllt

  • soziales Netzwerken
  • Contentgenerierung über Benutzerbeiträge
  • öffentliche Beta
  • Tester werden eingeladen/empfohlen
  • Angebotsentwicklung nach Benutzeranregungen
  • seltsamer Name
  • Irgenzwatt On Rails
  • Design
  • neue, aber nicht nobelpreisverdächtige Idee

Der Name ist natürlich Geschmacksberatersache, laut Eigenaussage hat man was kurzes gesucht, dass in den relevanten TLDs noch frei war (ja, warum wohl? Denkt mal drüber nach…). Naja, besser als »mouthr« isset allemal. Obwohl…

Gretchenfrage

Die eigentlich interessante Frage ist aber: Wo ist hier die Kohle?
Immerhin wurde die Startfinanzierung von einigen Silberrücken übernommen und nur für Abschreibungen werden die die Penunzen ja nicht rausgerückt haben. Im Normalfall.
Die »Hilfe« erläutert diesen Punkt mit »Qype wird sich über Werbung finanzieren«. Da die Tür in beide Richtungen schwingt, könnte das nun wieder Einfluss auf das Nutzerverhalten haben. Oder auf das grundlegende Vertrauen in die Bewertungen. Weitere Einnahmequellen wie schnödes Verticken der Userdaten oder Nutzerprofile scheiden aus, da Daten nur sparsam erhoben werden (da freut sich der Datenschutzbeauftragte). Und gekaufte gute Bewertungen, als Werbung buchbar, scheiden schomma gleich völlig aus. Ebensowenig läßt sich der (gewollt subjektive) Content (soweit man das bis jetzt bewerten kann) verbimmeln.
Gerüchten (also Kommentaren zu einem Eintrag bei wirres[3]) zufolge, scheint man nicht abgeneigt zu sein, die Klitsche meistbietend zu verticken – also wenn es denn erst einmal läuft. Riesenidee, aber warum sollte das wer kaufen wollen?

Fragen über Fragen: Volltreffer oder Niete?

Abseits der Frage, wie sich das auf lange Sicht finanziert, gibt es auch noch diese: Wird es eine lange Sicht geben?
Rational gesehen ist es ein Startup aus dem Web2.0-Bilderbuch. Alles Offensichtliche wurde hier bisher offensichtlich richtig gemacht.
Etwas komisch mutet die »Buzzwordmakulatur« an, die hier betrieben wird. Das Social-Feature ist der Rede nicht Wert, es ist quasi für nix gut. Das Design kommt bieder daher und dann der Name … aber das hatten wir ja schon.

Fazit

Dem Geschmacksberater sein Bauchgefühl fehlt aber bei dem aalglatten Start der Sympathie-Faktor. Irgendwie fehlt etwas die frische Idee, die es erst wirklich interessant macht (gemeint sind nicht Ecken und Kanten wie sprödes UI -der Bilderzoom ist übrigens cool- oder wenn der Server die Grätsche macht).

Natürlich ist die Chance in der Hab-ich-ja-gleich-gesagt-Kategorie zu punkten viel größer, wenn man ein Scheitern orakelt. Aber so weit ist es ja noch lange nicht.
»Viel Erfolg« sagt man wohl in dieser Phase eines Startups.

Links zum Thema

  1. [«] Qype *
  2. [«] Empfehlungsmarketing Wikipedia weiss wie immer mehr dazu
  3. [«] Eintrag bei wirres qype – gelbe seiten in denen man gerne blättert
Geschmacksberater ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Seiten.

2 Antworten zu “Qype – sowas von 2.0”

  1. Mark Pohlmann schreibt 11.04.2006 um 15:47

    als einer aus dem qype team: danke für dein feedback. bitte zum jetzigen zeitpunkt bitte nicht vergessen: wir sind noch beta, beta, beta, die site steht gerade erst seit einer woche überhaupt den ersetn externen zur ansicht zur verfügung. wir haben noch soviel vor, es wird noch soviel passieren, wir sind doch gerade beim ersten schritt. also: stay tuned ;-)

  2. Geschmacksberater » Blog Archive » Upraize - Wer, wenn nicht wir, weiß was wo zu finden ist? schreibt 14.06.2006 um 13:33

    […] So schnell kann es gehen, Qype ist noch nicht lange online und schon steht ein Herausforderer[1] in den Startlöchern. Mit einem netten, aber etwas kontrastarmen (weil pastellfarbenem) Design außen und fiesen Tabellen innen, schickt man sich ajaxbewehrt und mit web2.0 in den Keywords an… … eine neue, unabhängige Plattform des Internets zu entwickeln, in der Nutzer eine Welt abbilden. Nicht irgendeine Welt, sondern die Welt, in der wir leben. Hiermit schaffen wir den Sprung, der bisher nicht gelang: Das Netz zu lokaliseren. […]

Kommentar schreiben