Russendisko im Lehrerzimmer

Wladimir Kaminer[1], der dem Hörensagen nach vielumjubelte Kultautor aus Moskau, las gestern im etwas überfüllten und unterbestuhltem Domicil[2] in Dortmund vor ungefähr 300 Pädagogen und dem Geschmacksberater mit seiner Muse. Letztere waren eher zufällig dort, da sie die Eintrittskarten einem besonderen Umstand zu verdanken hatten.

Nachdem der Veranstalter im Vorfeld schon mal prophylaktisch darauf hinwies, was der Wladimir doch für ein Supatyp[3] sei und wie er gleich den ganzen Schuppen rocken täte, quittierte das folgsame Auditorium auch schon zu Anfang jede noch so unbedeutende Bemerkung seitens des Autors mit Lachern und Befallsbekundungen. Allerdings hat sich der besondere Humor dem Nicht-Pädagogen erfolgreich verschlossen. Scheint doch Wladimir Kaminer mit seinem sich schnell abnutzenden Akzent, der wie eine Mischung aus Piroschka[4] (Liselotte Pulver) und Achim Hagemann bei The Pops[5] klingt, der Ephraim Kishon[6] des neuen Jahrtausends zu sein: harm- und größtenteils auch pointenlose Geschichten wurden mit verhaltenem Elan vorgetragen.

Schwer zu sagen, was nun die Popularität des sicher nicht unsympathischen Autors ausmachen soll. So exotisch ist sein ethnischer Hintergrund ja nun auch wieder nicht.
Wie dem auch sei, nach einer Stunde musste dann erstmal was Fritiertes her und dementsprend wurde Herr Kaminer seinen Anhängern überlassen.

Als Tischunterhaltung wäre das sicher ganz passabel gewesen, als Veranstaltung lud es doch mehr zum Gähnen ein – es sei denn, man unterrichtet Geschichte, Deutsch und Englisch (fachfremd).

Links zum Thema

  1. [«] Wladimir Kaminer macht Russentexte
  2. [«] Domicil immer wieder langweilig
  3. [«] Supatyp gibt's auch im Internetz
  4. [«] Piroschka Ich denke oft an ...
  5. [«] The Pops from Poland
  6. [«] Ephraim Kishon »Weltmeisters des Humors«
Geschmacksberater ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Seiten.

Kommentar schreiben