Film zum Buch: »Fleisch ist mein Gemüse«
Mit dem Kinofilm »Fleisch ist mein Gemüse«, der hier als DVD vorliegt, basierend auf dem hervorragenden autobiografischen Roman von Heinz Strunk (bürgerlich Mathias Halfpape) beweist Drehbuchautor und Regisseur Christian Görlitz auf eindrucksvolle Weise eine neue Dimension von Talentfreiheit. Der Ausdruck »Potential verschenken« wurde hier auf ein ganz neues Niveau gehoben. Vollkommen egal ob man die Romanvorlage kennt oder nicht: Der Film macht keinen Sinn, weiss dafür aber auch nicht zu unterhalten.
»Tristesse« ist das einzige was hier transportiert wird. Angefangen beim unterirdischen Drehbuch, das den Fokus auf die tragischen Ereignisse lenkt, die in der Vorlage durch ihre wohldosierte Kürze zu überzeugen wissen und die sicheren humorige Steilvorlagen wie »Ei-Hunger« oder die »Nein!«-«Doch!«-Kaskaden zwischen Heinzer und seiner Mutter entweder gar nicht umsetzt oder gnadenlos versemmelt, über die schwache Besetzung bis hin zur abartig hölzernen Inszenierung. Erkennbar ist zumindest der Wille, aktuellen Sehgewohnheiten Tribut zu zollen – wie beispielsweise der Einsatz der Retrotapete die man in ähnlicher Form in »Garden State« oder »Lucky Number Slevin« sehen konnte. Allerdings hilft das nicht viel, wenn das Primärziel zu sein scheint – und dieser Eindruck entsteht leider schon nach 30 Minuten – den Zuschauer zu narkotisieren.
Auch die hinzugeschriebenen Passagen und insbesondere das Ende des Films wirken hanebüchen und an den Haaren herbeigezogen.
Undundundoderoderoder.
Kino ist eben nicht Fernsehen, wo sich Christian Görlitz vor »Fleisch ist mein Gemüse« verdingt (oder heißt es »verdungen«?) hat. Und dies, bitte bitte, auch in Zukunft wieder tun wird, so dass man seinem Schaffen einfacher entkommen kann.
Die Extras auf der DVD sind übrigens nicht der Rede wert und wenig interessant.
Armer Heinzer, hammse doch das schöne Buch so in den Sand gesetzt.
Vielleicht gibt’s ja noch einmal einen neuen Versuch von jemanden, der sich mit sowas auskennt. Das wär ja mal was.
